Shalom. Allein schon der Klang des Wortes bringt etwas in mir zur Ruhe. Shalom… Ein uraltes Wort, das sich seit Jahrhunderten Juden in Israel gegenseitig als Grußwort zum Abschied sagen. Ein Wort, in dem sich so viel Geschichte spiegelt. So viel Leid und Schmerz eines Volkes. So viel tiefe Freude und gemeinsam zelebrierte Feste. So viel Gottvertrauen und so viel Festhalten am inneren Licht. Obwohl es doch so oft finster ist.
Beschäftigt man sich näher mit der Bedeutung dieses so besonders klingenden Wortes, begreift man plötzlich ganz tief im Herzen, warum es so eine einzigartige Klangfarbe hat, die einen regelrecht magnetisch anzieht. Denn Shalom bezeichnet inneres Heilsein, innere Ausgeglichenheit, innere Ordnung, inneren Frieden. Ganz egal, wie krank, wie unruhig, wie chaotisch oder wie umkämpft das Leben gerade sein mag. Ja, Shalom steht für das tiefe Vertrauen, dass Gottes Licht in der Dunkelheit scheint und dass es dort einen wohltuenden und tröstenden, hoffnungsvollen Unterschied macht. Egal, wie klein seine Flamme auch leuchten mag. Und es steht für das frei machende Bewusstsein darüber, dass man in Gott bereits alles hat, was man zum Leben braucht. Ob in guten oder in schlechten Zeiten. In Zeiten des Neubeginns oder des Loslassens: Zu wissen, dass einen der Himmel hält und trägt und am Ende in Ehren empfangen wird – Das ist Shalom.
So wundert es mich nicht, dass der Klang des Wortes „Shalom“ mein Inneres immer wieder ganz tief erreicht und streichelt. Und dass meine Seele für einen Moment erinnernd stillhält, wenn sie das Wort als Deko versteckt hier und da in meiner Wohnung entdeckt…
Wie automatisch erinnere ich mich dann an die dunkelsten Stunden, Tage, Wochen und Monate meines Lebens zurück, als ich um das Leben meiner Mutter bangte, als ich selbst Mutter wurde. Als ich meinen schreienden Sohn im Arm hielt, der sich weder beruhigen noch stillen ließ. Als der markerschütternde Schrei „JESUS!“ meiner Kehle entrann, als ich meine Mutter endgültig zu verlieren glaubte. Als mein Mann und ich völlig fertig mit dem Leben auf der Couch saßen, unser weinendes Kind zwischen uns, und einfach nur noch stotternde Gebete gen Himmel flüsterten.
Oder als ich im Krankenhausbett lag, ohne zu wissen, ob ich dieses Gebäude lebend und tot verlassen würde. Und ohne zu wissen, wie mein Mann und mein mittlerweile fast 3 Jahre alter Sohn es ohne mich schaffen sollten. Kraft- und fast leblos lag ich nach einer Woche Krankenhausaufenthalt für 3 Tage im Schwebezustand zwischen Leben und Tod…
Oder als ich begann, mich mit den Traumata meines Lebens zu beschäftigen, die tief in mir verbuddelt nun zwar mit meiner Erlaubnis, aber mit einer größeren Wucht als erwartet hatte, wieder hochkamen und mein Lebenshaus emotional drohten zusammenstürzen zu lassen.
In diesen Tagen des Schreckens gesellte sich auf sehr leise, aber doch spürbare Weise Shalom zu mir. Als eben das, was er ist.
Als liebes Wort zur rechten Zeit: Shalom.
Als eine Umarmung mitten in der Schlafstörung: Shalom.
Als eine mit mir mitweinende Freundin: Shalom.
Als einen Arm, der mein Kind hielt, als ich es nicht konnte: Shalom.
Als die leise Hoffnung, ganz hinten in der letzten Ecke meines Herzens: Shalom.
Als ein Wort in der Bibel, als hätte Gott selbst zu mir gesprochen: Shalom.
Als eine Melodie, die meine Seele beruhigte: Shalom.
Als ein mitfühlender und mich erkennender Blick: Shalom.
Als die tiefe Gewissheit auf Ewigkeit im schlimmsten Fall: Shalom.
Ja, ich kenne ihn, diesen Shalom. Er ist mir zu einem meiner besten Freunde geworden. Und auch jetzt, in den Herausforderungen des alltäglichen Lebens, die irgendwie im Anbetracht der Vergangenheit das Wort Herausforderung nicht wirklich verdient haben, aber dennoch da sind – auch jetzt darf ich ihn immer wieder erleben. Nicht laut, nicht allezeit bewusst und präsent, aber treu an meiner Seite. Weil mir Güte und Gnade mein Leben lang folgen werden. Egal, wo ich auch bin.
So umarme ich ihn heute einmal neu, meinen Freund namens Shalom. Und öffne meine Herzenstüren so weit ich kann für ihn: Sein Licht, seine Ordnung, sein Heilsein und sein sanftes Flüstern dürfen mich fluten. Immer wieder neu. In guten und in schlechten Zeiten. Sein Friede sei mit mir! Und mit Dir…!
